4. Regeln
    Summery

    In jedem Land auf dieser Welt gibt so unglaublich viele Gesetze, Verordnungen und Normen, dass nicht einmal Richter und Anwälte sie alle kennen. Noch dazu lassen diese Gesetze so viel Interpretationsspielraum, dass die Rechtsprechung häufig vom Gesetzes-Verständnis des jeweiligen Richters abhängt. Wie soll ein normaler Mensch diese Masse an Gesetzen und deren Tragweite, die zudem noch unglaublich kompliziert verfasst wurden und sich ständig ändern, jemals vollständig erfassen und verstehen? Wer sich aus persönlichen Gründen einmal näher mit den einzelnen Rechtsbereichen auseinandergesetzt hat, stellt nicht selten fest, dass viele der darin enthaltenen Gesetze uns eher einschränken statt dienen und das nicht immer nur, um andere Menschen und ihren Lebensraum zu schützen. Führen wir diese Kausalitätskette weiter, so stellen sich noch viele weitere Fragen, wie u.a. ...

    • Wem dienen diese vielen Gesetze?
    • Warum sind sie so kompliziert verfasst?
    • Warum gelten sinnlose Verordnungen aus dem letzten Jahrhundert noch heute und werden nicht überprüft und verworfen?
    • Wie frei sind wir Menschen?

     

    Regeln sollen den Menschen dienen
    Wir von H.e.l.f.a. sind der Ansicht, dass grundsätzlich jede Regel den Menschen dienen sollte und nicht umgekehrt. Die Regeln sollten außerdem für alle Menschen gelten und keine Privilegien oder Übervorteilung für bestimmte Gesellschaftsschichten oder Menschengruppen bedeuten. Wir wünschen uns eine friedliche Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt sind und mit ihren Fähigkeiten und Talenten zum Wohle der Gemeinschaft beitragen.

    • Die Freiheit des Einen bedingt immer auch die Freiheit des Anderen. Oder anders formuliert: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Anderen zu.
    • Die vierte Regel beinhaltet daher wie wir mit Regeln umgehen wollen und wie diese erstellt und beschlossen werden.

     

    So einfach und klar wie möglich
    Es gibt so viele verschiedene Menschen auf der Welt und so viele regionale und auch kulturelle Unterschiede und Gegebenheiten, sodass zusätzlich zu den H.e.l.f.a. Regeln jede Gruppe ihre eigenen Regeln definieren kann. Dies birgt die Möglichkeit eben diese Unterschiede in der Erstellung der Regeln zu berücksichtigen und damit die Grundlage zu schaffen, dass sich die Mitglieder zugehörig und wohl fühlen.

    Damit alle Gruppenmitglieder wissen, wie Regeln erstellt werden und weshalb sie erstellt wurden, gibt es die folgenden Grundsätze:

    Die Regeln werden am besten so einfach, klar und übersichtlich wie möglich formuliert, sodass jeder sie verstehen kann. Um die Verständlichkeit jeder Regel zu garantieren, soll bei jeder Regel ein Positiv- und ein Negativbeispiel angeführt werden.

    Dies bedeutet:

      • der Grund, weshalb die Regel aufgestellt wird, muss ausformuliert werden und

      • es muss dargestellt werden, was mit der Regel nicht gemeint ist oder erreicht werden soll.

    Eine Regel am Beispiel zum Umgang mit einem Misstrauensvotum, könnte wie folgt aussehen: „Sofern sich ein Mitglied durch einen Moderator ungerecht behandelt fühlt, kann sich dieses Mitglied an einen anderen Moderator/ ein anderes Gruppenmitglied als Vertrauensperson wenden. Gemeinsam besprechen sie die Situation und sprechen mit dem Moderator. Ein Misstrauensvotum soll erst nach zwei erfolglosen Gesprächen aller Beteiligten ausgesprochen/angeregt werden. Damit kann die Gruppe erreichen, dass Kommunikation und Diskurs ihre Berechtigung und ihren Raum erhalten, um mögliche Missverständnisse gemeinsam und wertschätzend zu klären. Außerdem soll damit erreicht werden, dass keine vorschnellen Urteile gefällt werden und Menschen eine zweite Chance erhalten.“

    Die Regeln orientieren sich damit immer am Thema oder Problem für das sie gedacht sind und es wird auch erklärt, warum die Gruppe die Regel braucht und aufstellt. Die Mitglieder sind damit angehalten, sich mit der Regel zu beschäftigen und sie so zu formulieren, dass sie jeder verstehen kann. Das macht die Regeln auf der einen Seite ausführlich und auf der anderen Seite einfach und nachvollziehbar.

     

    Damit die Anzahl der Regeln in einem überschaubaren Rahmen bleibt, gibt es die folgenden Hilfestellungen zur Erarbeitung von Regeln:

    • Jede Regel hat ein Start- und ein Enddatum. Nach dem Enddatum wird innerhalb einer Gruppendiskussion mit gemeinsamer Abstimmung noch einmal zwingend darüber nachgedacht, ob die Regel in der Form noch sinnvoll ist und gebraucht wird.

    Wenn nein...

    … wird die Regel ersatzlos gestrichen.

    Wenn ja…

    wird die Regel ggf. aktualisiert und ein neues Enddatum festgesetzt.

    Warum Regeln?

    Je mehr Menschen zu einer Gruppe gehören, desto sinnvoller können verbindliche Regeln werden, die zum Beispiel eine Orientierung für den gemeinsamen Umgang untereinander geben. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn sehr unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen und die Gefahr besteht, dass die Interesse und/oder das Verhalten des Einen zulasten der Rechte eines Anderen gehen.

    Im allgemeinen sind Regeln dafür da, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, in der die Rechte aller Mitglieder gewahrt und geachtet werden. Wie dieses Miteinander im Einzelnen aussehen soll, das kann jede Gruppe eben individuell / autonom entscheiden. Und von H.e.l.f.a. ist wichtig, dass wir uns wieder respektvoll und in Liebe begegnen und dies in den Gruppen auch leben. Im besten Falle spiegelt sich dieser Grundgedanke in den selbst aufgestellten Regeln wider.